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Das Geschenk der späten Jahre

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EigenSinnAlle ThemenErde zu Erde
Die Installation "Die Gärtnerinnen" von Leon Pollux im Marstall von Schloss Berg. Foto:

Die Ausstellung "Schlaflied" von Leon Pollux im Marstall von Schloss Berg

Erde zu Erde

Beim Besuch der leider schon beendeten Ausstellung hat mich die Installation "Die Gärtnerinnen" zutiefst berührt. Ganz anders, als der Titel erwarten läßt, spricht sie von Tod, Trauer und Verzweiflung, jedoch nicht ohne einen Hauch Hoffnung aufzuzeigen.

5 Kommentare
Autorin: Ulrike

Schon seit Jahren versuche ich nach Möglichkeit, alle Ausstellungen des Münchner Bildhauers und Malers Leon Pollux ›› zu besuchen. Als ich nach der Rückkehr von unserer Sardinienreise (Bericht folgt) die Post der letzten vier Wochen durchsah, fand ich eine Einladung zur Eröffnung seiner Ausstellung „Schlaflied“ im Marstall von Schloss Berg am Starnberger See.

 

Flyer zur Ausstellung „Schlaflied“ von Leon Pollux. Foto:

Die Eröffnung hatte ich verpasst, aber die Chance, in den letzten Stunden vor Ausstellungsende noch schnell hinzufahren, habe ich ergriffen.
„Schnell hinzufahren“ ist gut gesagt, denn ich stand so lange im notorisch verstopften Starnberg im Stau, dass ich es fast nicht mehr geschafft hätte. Aber es hat gerade noch gereicht!

Und es hat sich gelohnt!
Das denkmalgeschützte Marstallgebäude ››, von Ludwig II. als prachtvoller Stall für seine Pferde erbaut, leuchtete warm in der herbstlichen Spätnachmittagsonne. Die Tür stand weit offen, ich trat ein und war überwältigt.

 

Raumfüllend erstreckte sich zwischen den schlanken Säulen der ehemaligen Stallungen die Installation „Die Gärtnerinnen“: Eine Reihe von sechs rupfenbespannten Bahren, auf denen aus Erde geformte Körper ruhen. Die Gesichter sind bedeckt mit tönernen Maskenfragmenten, auf den Körpern sprießt junges grünes Gras: Der Gedanke an Tod, Auflösung, Verwesung ist die erste Assoziation, „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.“ Doch die Rückkehr zur Natur ist der Zersetzung immanent, das Grün der jungen Gräser symbolisiert neue Hoffnung.

Aus den Toten wächst neues Leben. Foto:

 

Eine der trauernden Frauengestalten am Fußende der Bahren. Foto:

Am Fußende der Bahren hocken schwarzverhüllte Frauenfiguren, die Arme auf hölzerne Pulte gestützt, vor sich becherförmige Gefäße. Samen für neues Leben sollen sie enthalten, Bücher, Schulbildung, gibt es nicht für diese trauernden Frauen, die ihre Männer und Söhne beweinen und deren Lebenssinn sich darauf zu beschränken scheint, Leben zu geben und den Tod hinzunehmen.
So drücken die Gesichter der Frauen Verzweiflung, Trauer, Demut, stille Ergebenheit aus.

Schutzgeist. Foto:

Afrikanisch anmutende Holzskulpturen, armlos, hoch und schlank, mit ausdrucksstarken Köpfen aus Keramik, umgeben die im Schmerz gekrümmten „Gärtnerinnen“ wie Trost spendende Schutzgeister.

Die Installation wirkte auf mich auf unheimliche Weise lebendig, obgleich ihr Thema der Tod ist. Während ich mit den Künstler im Gespräch war, hatte ich das bedrückende Gefühl, von den schwarzen Gestalten beobachtet zu werden. Das Kunstwerk, das Leon Pollux schon vor 12 Jahren ein erstes Mal und nun auf vielfachen Wunsch erneut gezeigt hat, hat mich emotional tief berührt und ist zugleich politisch erschreckend aktuell.

 

Es gab  in der Ausstellung noch mehr, auch ganz neue Exponate des Künstlers zu sehen, denen dieser wunderschöne Raum im Marstall den idealen Rahmen gab: große und kleine Arbeiten auf Papier, Köpfe und Figuren aus Holz und Keramik, die – wie sein Werk überhaupt – von Leon Pollux’ Kindheit in Liberia beeinflusst sind und die seine Kunst, jedenfalls für mich, so faszinierend machen.

Arbeit auf Papier von Leon Pollux. Foto:
Unübersehbar ist der afrikanische Einfluss auf die Kunst von Leon Pollux. Foto:

 

Eine der kleinen blauen Figuren, die am Kopfende der Toten liegen. Foto:

 

Am meisten beeindruckt aber hat mich die Installation der „Gärtnerinnen“, und ich bedaure sehr, dass ich diesen kleinen Bericht nicht früher schreiben konnte. Ich bin sicher, einige meiner Leser*innen hätten die Ausstellung in diesem ganz besonderen, aber leider etwas abgelegenen Ausstellungsort besucht – es hätte sich unbedingt gelohnt!

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Kommentare

  1. Leon Pollux schreibt

    24. Oktober 2018 um 15:36

    Ich danke ganz herzlich für den sehr kompetenten, sensiblen und ausführlichen Textbeitrag sowie die representativen Fotobeispiele. Besonderer Dank aber gilt der Verfasserin für ihr uneigennütziges Engagement, etwas, das ich in unserer Gesellschaft schon für ausgestorben gehalten hatte!! Man wird manchmal eben doch positiv überrascht, danke!

    Antworten
  2. Dodo schreibt

    21. Januar 2022 um 20:54

    Ja, stimmt ulrike, die gärtnerinnen hätte ich auch sehr gern besucht. Du hast die stimmung wunderbar eingefangen. Und das lob des künstlers solltest du dir über dein bett hängen. So wär es eine freud, das hinübergehen. Danke! Fodo

    Antworten
  3. Barbara Pinheiro schreibt

    26. Januar 2022 um 14:26

    Liebe Ulrike,
    für mich ein „unverhofftes Wiedersehen“. Ich kannte Leon Pollux, damals noch Poldi Richter, vor ca. 40 Jahren und habe ihn später aus den Augen verloren. Er war bereits ein engagierter Künstler mit technisch anspruchsvollen Werken, oft sozialkritisch oder politisch. Ich besitze eine Grafik und eine Zeichnung von ihm.
    Schade. dass ich ihn nicht mehr treffen kann.

    Antworten
    • Ulrike schreibt

      26. Januar 2022 um 15:20

      Liebe Barbara, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe Leon erst viel später kennengelernt als du und war von seinen Arbeiten fasziniert. Es ist so traurig, dass er gegangen ist!

      Antworten

Trackbacks

  1. Die Ausstellung »Menschen« von Leon Pollux - EigenSinn sagt:
    21. November 2020 um 12:53 Uhr

    […] Dies auch zum besonderen Schutz des Künstlers selbst, der kurz nach seiner letzten Ausstellung »Schlaflied«›  , über die ich damals berichtet habe, eine lebensbedrohliche Diagnose erhalten […]

    Antworten

Ich freue mich über Eure Meinung! Antwort abbrechen

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