Bei meinen beiden Wörthseer Konversationsgruppen für Italienisch und Französisch hat sich inzwischen eine nette Gewohnheit etabliert: immer mal wieder gehen wir zusammen in einen Film in der jeweiligen Originalversion, meist im Breitwandkino Seefeld ›, wo jeden Montag ein Film in der Originalsprache angeboten wird, manchmal auch im Breitwandkino Gauting, das ein bisschen weiter weg, aber auch in einer halben Stunde zu erreichen ist.
Vor ein paar Tagen war es mal wieder soweit: Mit einigen Teilnehmern der Italienisch-Gruppe haben wir uns in Gauting einen italienischen Film angesehen, den ich euch unbedingt empfehlen möchte:
Kaos, von den Brüdern Paolo und Vittorio Taviani ››, aus dem Jahr 1984.
Eine kongeniale Verfilmung
Es geht hier um die Verfilmung von fünf Novellen des sizilianischen Schriftstellers Luigi Pirandello ›› , der 1867 nahe der Stadt Agrigent auf Sizilien geboren wurde und 1932 in Rom starb. Pirandello gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und ist 1934 mit dem Literaturnobelpreis geehrt worden.
Der Titel Kaos, den die Brüder Taviani für ihren Film gewählt haben, geht auf den Begriff Caos zurück, das sizilianische Wort für Heimat.
Und in der Tat spürt man in jeder Einstellung dieser kongenialen Verfilmung von Pirandellos Geschichten die große Liebe des Autors zu seiner Heimat und ihren Menschen, die unglaublich stolz, oft sehr schräg, immer irgendwie verrückt, manchmal starrsinnig und auch mutig dargestellt werden.
Fünf phantastische Geschichten
Die Novellen spielen im 19. Jh. im ländlichen Sizilien. Es sind phantastische Geschichten, die die Taviani-Brüder aus Pirandellos Sammlung Novelle per un Anno (Novellen für ein Jahr ›› ) für ihre Verfilmung ausgesucht haben, darunter die berühmteste seiner Novellen: La Giara (Der Krug). Die einzelnen Geschichten sind lose miteinander verbunden durch einen Raben, dem in einer kurzen Episode zu Beginn des Films ein Glöckchen um den Hals gebunden wird und der zwischen den einzelnen Filmteilen über die sizilianische Landschaft fliegt, die der Zuschauer aus seiner Vogel-Perspektive in ihrer ganzen Pracht bewundern kann.
Wir waren begeistert!
Die fünf verfilmten Geschichten heißen L’altro figlio (Der andere Sohn), Mal di luna (Mondsüchtig), La Giara (Der Krug), Requiem und Colloquio con la madre (Gespräch mit der Mutter), und es ist uns schwer gefallen, zu sagen, welche davon uns am meisten berührt hat.
Und es hat niemanden erstaunt, dass der Film mit drei Preisen ausgezeichnet worden ist! Er zeigt wunderschöne Landschaftsbilder, hervorragende Schauspieler (in den Hauptrollen: Enrica Maria Modugno, Claudio Bigagli, Margarita Lozano, Regina Bianchi, Omero Antonutti), fesselnde Szenen und bizarre Geschichten.
Wir waren begeistert!
Lange haben wir nach der Vorstellung darüber diskutiert, und alle waren der Meinung, dass sich dieser Ausflug unbedingt gelohnt hat.
Gut, dass es deutsche Untertitel gab!
Nur für die Weiterbildung unserer italienischen Sprachkenntnisse war der Film eher nicht so geeignet, denn selbst die Muttersprachler unter uns haben den sizilianischen Dialekt kaum verstanden. Sehr gut also, dass es deutsche Untertitel gab!
Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diesen großartigen Film unbedingt ansehen – er oder sie wird es nicht bereuen!!




Ich freue mich über Eure Meinung!