Die alte Dame Winnetou

Foto: Stephan Bleek

Wie kommt sie zu diesem Namen? Die alte Dame lacht. „Das war auf der Kunstakademie“, sagt sie. „Jeder musste seinen Namen oben auf die Staffelei schreiben. Ich habe „Winne“ draufgeschrieben und irgendwer, ich glaube es war meine Freundin Gesa, hat das zu „Winnetou“ ergänzt. Ich hab mich dann auch an Fasching als Indianer verkleidet. Der Name ist mir mein Leben lang geblieben. Heute noch nennen mich meine Künstlerfreunde so“.

Die Malerin Else Winnewisser ist 81 Jahre alt. Letzte Woche haben wir sie in Karlsruhe besucht. Ich wollte sie für Eigenleben interviewen.
Wir waren ein halbe Stunde zu früh dran, aber das war für sie überhaupt kein Problem. Sie hatte schon Kaffee und Tee gekocht und Kuchen und selbstgebackene Plätzchen bereitgestellt. Als Erstes mussten wir also kräftig zulangen. Dabei plauderten wir ein bisschen, zum Aufwärmen. Wir hatten uns kurz davor in München getroffen, wo ihre Tochter mit Familie lebt, und da hatte sie sich einverstanden erklärt, dass wir sie zuhause besuchen und dort auch Fotos von ihren Bildern machen durften.

In Else Winnewissers Atelier in Karlsruhe.
Foto: Stephan Bleek

Else Winnewisser ist eine unglaublich vitale Frau. Sie wirkt wie Anfang 70, ihre Haut ist glatt und rosig, die hellen Augen blicken wach. 1936 in Heidelberg als jüngste Tochter eines Volksschullehrers geboren, sollte auch sie Lehrerin an der Volksschule werden. Sie aber wollte Malerei studieren. „Meine Schulnoten waren nicht so fein wie die meiner großen Schwestern, aber in Kunst war ich immer gut!“
Sie setzte beim Vater durch, dass sie die Aufnahmeprüfung und ein Probesemester an der Kunstakademie in Karlsruhe machen konnte. Als sie nach der Probezeit einen mit 100 Mark dotierten Preis für eine Zeichnung bekam, durfte sie das Studium fortsetzen, allerdings mit der Auflage, zur Sicherheit auch die Prüfung fürs Lehramt zu machen.
Sie pendelte täglich von Heidelberg nach Karlsruhe, ein Zimmer dort wäre für die Eltern nicht bezahlbar gewesen. Mit dem Auszählen von Lottozahlen sonntags in Heidelberg und später mit dem Verkauf von Bildern finanzierte sie sich ihr Studium selbst.

Abgelehnte Kopf-Zeichnung
Foto: Stephan Bleek

Bei ihrem Examen 1960 kam es zu einem Eklat: ihre Zeichnungen von Huhn, Kopf und Akt entsprachen nicht der Prüfungsordnung, die noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammte. Es gab einen Aufschrei innnerhalb der Kunstszene und ihr Lehrer HAP Grieshaber, damals Direktor der Kunstakademie, trat aus Protest zurück. Sie machte dann die Prüfung ein Jahr später noch einmal, und diesmal waren ihre Zeichnungen den Prüfern genehm.

Mit ihr zusammen studierten heute so bekannte Künstler wie Horst Antes, Walter Stöhrer und Hans Baschang. Der um 9 Jahre ältere Heinz Schanz aber war der Star der Klasse. Ihn hatte HAP Grieshaber entdeckt und gefördert. Und ihn hat sie dann geheiratet.

Als ihre Tochter geboren wurde, ging sie als Kunst- und Erdkundelehrerin ans Gymnasium, trotz erfolgreicher Ausstellungen und obwohl ihre Künstlerfreunde die Nase rümpften: solches Sicherheitsdenken war doch spießig! „Aber ich musste ja die Familie ernähren! Ausgemacht war, dass ich so lange in die Schule gehe, bis der Herr Schanz erste Erfolge hat. Dann würde ich mich wieder dem Malen widmen.“
Doch dazu kam es nicht. Als Heinz Schanz erste Ehrungen und Preise und Stipendien in Florenz und Rom erhielt, waren sie schon geschieden.

Also schickte sie die Tochter aufs Internat und arbeitete weiter an der Schule. Zum Malen hatte sie auch jetzt wieder keine Zeit. Das Internat war teuer und Nebentätigkeiten mussten helfen, über die Runden zu kommen. So gründete sie eine Malschule, arbeitete neben dem Unterrichten als Fachbearbeiterin, Seminarleiterin, im Kultusministerium in Stuttgart, machte Ausstellungen von Schülerarbeiten, verlieh Preise, erstellte die Abituraufgaben für das Fach Kunst …  Ihre Schulkarriere hat sie dann als Studiendirektorin beendet: „Wenn ich etwas mache, mach ich es richtig!“ sagt sie.

All die Jahre hat sie ihre eigene künstlerische Tätigkeit immer hintangestellt, denn ihr Motto ist „Erst kommt der Mensch, dann kommt die Kunst!“
Und doch hat ihr das Malen immer gefehlt. „Ich träume meine Bilder, und dann muss ich sie malen, damit ich sie aus dem Kopf bekomme!“
Lang hatte sie dazu nur wenig Gelegenheit. Von einer kleinen Erbschaft kaufte sie ein Grundstück im Hinterland der Provence, nicht weit von Orange. Dort lebte sie in einem Wohnwagen, bis sie das Geld zusammen hatte, um nach und nach ein Haus darauf zu errichten.
Dieses Haus in Frankreich wurde ihr Zufluchtsort, an den sie sich in den Ferien zurückzog, um zu malen.
Noch heute fährt sie jedes Jahr für mehrere Monate hin. Sie malt, pflegt ihren Garten, genießt ihr kleines Reich am Fuß des Mont Ventoux, einsam in einem Pinienwald gelegen. Sie fährt mit dem Auto dort hin, allein, die 800 km in einem Rutsch, fast ohne Pause. Für sie ist das kein Thema: „Das macht mir nichts aus. Ich kenne ja jeden Stein auf dem Weg dorthin!“

Foto: Stephan Bleek

Heute malt sie eher kleine Formate, für die großen hat sie nicht mehr die Kraft, sagt sie. Viel Arbeit machen auch Ausstellungen, das Aussuchen der Bilder, die Rahmungen. Auch fährt sie oft nach München. Zum Beispiel, um dort vor Weihnachten bei ihrer Tochter Plätzchen zu backen. Immer ist sie bereit, anderen zu helfen, schon ihr Leben lang.

Else Winnewisser, genannt Winnetou, ist eine starke, bewundernswerte Frau. Ein Indianer eben.
Sie erzählt, dass sie eine befreundete Bildhauerin besuchte, als diese gerade kleinen Kindern Unterricht im Figurenformen gab.
„Komm rein, Winnetou,“ sagte die Freundin, „ich mach dir einen Kaffee.“
Da stupst der eine Steppke den anderen an: „Sag mal, hast du gewusst, dass der Winnetou in Wirklichkeit eine alte Oma ist?“

Und die alte Dame Winnetou lacht.

Foto: Stephan Bleek

Das Interview mit Else Winnewisser ist demnächst auf Eigenleben zu lesen.

Abschied im Friedwald

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

Es war der ganz besondere Abschied von einer früheren Kollegin, die kürzlich, 59 Jahre jung, völlig unerwartet und innerhalb von nur einer Woche verstorben ist.
Nun ist ihre Urne beigesetzt worden zwischen den Wurzeln einer jungen Buche mitten im Wald.
Die drei Töchter haben damit eine Ruhestätte gefunden, die ganz dem Wesen ihrer Mutter entsprach. Sie war zutiefst naturverbunden, liebte Pflanzen und Tiere, das Wasser, die Wüste, den Wind und die Berge.

Nun ist ihre Asche eins mit dem Waldboden. Sie wird in ihm aufgehen, wird ihren Baum nähren, in seinen Ästen und Zweigen weiterleben.

Es war ein sehr schöne, sehr bewegende Zeremonie.
Der Wald war verschneit. Während der Trauerrede und später, als wir alle um ihren Baum standen und der sanften Musik einer Freundin und letzten persönlichen Worten lauschten, brach immer wieder die Sonne durch die Wolken, obwohl Schneefall vorausgesagt worden war. Es war wie ein letzter Gruß an sie, die die Sonne so geliebt hat.

Später, als die Urne in die Erde gesenkt war und jeder von ihr Abschied genommen hatte, fuhr ein kräftiger Windstoß in die Zweige der umstehenden Nadelbäume, und feiner Schneestaub wurde durch die Luft gewirbelt und glitzerte im Sonnenlicht.

Es war dies ein wunderbar passender Abschied für eine Frau, die so intensiv gelebt hat, als hätte sie immer schon geahnt, dass sie nicht viel Zeit haben würde.

Irgendwie ist es tröstlich zu wissen, dass sie nun an einem Ort ruht, wie sie ihn sich sicher gewünscht hätte.

Nach diesem sehr berührenden Erlebnis könnte ich mir sehr gut vorstellen, auch einmal zwischen den Wurzeln eines Baumes meine letzte Ruhe zu finden.

Informationen zum Konzept des Friedwalds gibt es hier.

Im Resi

Foto: Stephan Bleek

Kürzlich waren wir im Rahmen einer Informationsveranstaltung für Abonnenten im Münchner Residenztheater. Das Bayerische Staatsschauspiel bespielt insgesamt drei Bühnen: das Residenztheater, das Cuvilliéstheater und den Marstall. Wir durften das Resi besichtigen.

Backstage. Foto: Stephan Bleek

Zunächst gab es einen Umtrunk zur Einstimmung, begleitet von allgemeinen Erläuterungen zur wechselvollen Geschichte des Hauses. Danach wurden wir auf und hinter die Bühne geführt, die, wie wir erfahren haben, in ihrer technischen Perfektion gleich hinter dem Burgtheater in Wien kommt.

Backstage. Foto: Stephan Bleek

Es war eine wirklich interessante Führung, die ich jedem, der die Chance dazu hat, sehr empfehlen möchte. Wir haben viel gelernt – etwa, was die Rolle der Inspizientin ist.

In ihren Händen liegt der reibungslose Ablauf eines Theaterabends: die Technik hört auf ihr Kommando, die Schauspieler treten auf, wenn sie das GO! dazu gibt. Sie sitzt in einem engen Kabuff voller Monitore, Schalter und Hebel rechts neben der Bühne, ohne sie geht gar nichts.

 

Blick in den Schnürboden. Foto: Stephan Bleek

Wir blickten von der Bühne Richtung Zuschauerraum, der immerhin fast 900 Menschen fasst, sahen in den drei Stockwerke hohen Schnürboden hinauf und erklommen dann viele Stufen. Schnaufend erreichten wir einen gelbgestrichenen engen Gang (gelb sagt den Benutzern, dass sie sich im rechten Teil des labyrinthischen Baus befinden), der durch viele Türen zum Kostümfundus und zur Herrenschneiderei führte.

Im Fundus für Damen … Foto Stephan Bleek

… hängen die Kostüme geordnet nach Epochen. Foto Stephan Bleek

Die Herrenschneiderei. Foto Stephan Bleek

 

Weitere Treppen führten hinauf in die Rüstkammer, in der neben allerlei Fabelwesen, Ritterrüstungen und Königskronen auch echte Kalaschnikows lagern. Die werden aber nur mit Platzpatronen geladen.

 

Fabelwesen … Foto: Stephan Bleek

… Ritter aller Art … Foto: ulrike@eigenleben.de

 … und echte Gewehre. Foto: Stephan Bleek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz oben, wo im Fall des Falles nur das Dach wegfliegen kann, liegen die Räume, in denen pyrotechnische Versuche für Aufführungen mit Explosionen, Feuerwerk und ähnlichem Feuerzauber gemacht werden.

Insgesamt, wie gesagt, ein schönes und aufschlussreiches Erlebnis.

Die nächsten Aufführungen werden wir mit wissenderen Augen ansehen.

 

Das Resi-Repertoire. Foto: Stephan Bleek

 

My Home is my Castle

 Ein Haus, in dem man alle Räume kennt, ist nicht wert, bewohnt zu werden.

Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Wie vor einiger Zeit in diesem Blog berichtet, haben wir unsere Wohnung in München verkauft. Seitdem sind wir auf der Suche nach einer neuen Bleibe außerhalb der Stadt.
Nun haben wir von kurzem über private Beziehungen vom Verkauf einer ehemaligen „Zwergschule“ auf dem Land erfahren. Wir haben uns das Haus angesehen und waren sofort begeistert. Das Gebäude aus den 1890er Jahren ist wunderschön renoviert, es ist voller liebevoller Details, es atmet Geschichte, es ist sehr geräumig, es hat einen hübschen Garten, in dem eine herrliche alte Fichte steht.

Aber: es liegt mitten in der Pampa, um nicht zu sagen, am A … der Welt. In einem kleinen Weiler, 850 Meter über dem Meer. Es gibt keinen einzigen Laden, keine öffentlichen Verkehrsmittel. Das heißt, ohne eigenes Auto geht gar nichts. Das nächste Dorf liegt in der einen Richtung 3 km weg, mit dem Fahrrad gut zu erreichen, wenn das Wetter mitspielt (im Winter gibt es hier viel Schnee). In der anderen Richtung ist das nächste Dorf 5 km entfernt. Dorthin führt die Straße steil bergab. Das bedeutet, auf dem Heimweg muss man das mit den Einkäufen beladene Fahrrad schieben. Oder eben das Auto nehmen.

Wir waren jetzt dreimal dort und haben keinen Menschen gesehen. Das muss nichts heißen. Man kann die Menschen gezielt aufsuchen, nachbarschaftliche Kontakte knüpfen.

Gegenüber vom Haus gibt es eine hübsche kleine Kirche mit Friedhof, auf dem noch viel Platz ist. Daneben einen etwas heruntergekommenen Bauernhof, in dem ein einsamer Bauer ums Überleben kämpft. Dann noch ein riesiges leerstehendes Pfarrhaus, das langsam verfällt, einen weiteren Bauernhof und verstreut ein paar andere Häuser. Vielleicht zwanzig, alle zusammen.

Einsamkeit pur.

Kann auch schön sein. Auf jeden Fall das absolute Kontrastprogramm zum Stadtleben, eine Erfahrung, die man machen und, falls es doch nicht passt, auch wieder aufgeben kann. Wenn wir 40 oder auch 50 wären – kein Thema! Aber in unserem fortgeschrittenen Alter …

Es ist wirklich ein sehr schönes Haus, im reizvollen Ostallgäuer Voralpenland gelegen. München ist mit dem Auto in knapp eineinhalb Stunden zu erreichen. Per Bahn ist es komplizierter und dauert um einiges länger.
Um die schöne Landschaft zu genießen, muss man erst ein Stück ums Eck gehen, denn vom Standpunkt des Hauses gibt es keine Aussicht.
Doch das Haus selbst ist ein Schmuckstück, und  stünde es nicht an diesem gottverlassenen Ort, wäre es sicher unerschwinglich. Der völlig überhitzte aktuelle Wohnungsmarkt läßt grüßen. Es ist aber auch ein Liebhaberojekt, und damit ist der Markt im Fall eines Wiederverkaufs recht beschränkt.

Wir sehen uns auch nach Alternativen um. Doch was sonst so im Angebot ist, ist entweder krottenscheußlich oder unbezahlbar.

Was tun? Die Entscheidung ist schwer, sie kostet uns schlaflose Nächte. Mal sagen wir, das ist es! Dann wieder sind die Fragezeichen bedrohlich groß.

Im Sinne von Lampedusas Spruch müssten wir es tun. Den Sprung ins Ungewisse wagen. Es wäre eine Erfahrung mehr, im besten Fall eine Bereicherung. Vielleicht aber auch ein Fehler? Was ist bei Krankheit, altersbedingten Einschränkungen, Gebrechlichkeit? Wer weiß schon, was kommt. Soll man wegen solcher Unwägbarkeiten, die im Grunde das ganze Leben begleiten, immer nur das Bekannte, Gesicherte wählen?

Möglicherweise gibt uns das Schicksal ja einen Wink, der uns sagt, was zu tun ist.

 

 

 

 

 

 

Wer reiste so spät durch Nacht und Wind?

Foto: Stephan Bleek

Wir waren’s! Auf der Heimfahrt von Hannover nach München, mit dem neuen Bulli. Endlich, vor ein paar Tagen, konnten wir den lang erwarteten Camper abholen. In aller Herrgottsfrühe sind wir mit dem Zug nach Hannover gefahren. Papiere und Nummernschilder wurden übergeben, es gab eine kurze Einführung, und schon waren wir wieder auf dem Rückweg.

Foto: Stephan Bleek

Es war Freitagnachmittag, entsprechend viele Staus unterwegs, nicht wirklich ein entspannter Einstieg ins neue Campingbus-Fahrer-Leben.

Die Navi-Dame mit der sympathischen Stimme hat uns irgendwann eine Umgehung der total verstopften Autobahn empfohlen. Sie leitete uns auf winzigen Straßen durch nette sächsische Dörfchen, bis wir schließlich am Ufer der Saale standen. Hier befahl uns die freundliche Dame, mit der Fähre ans andere Ufer überzusetzen, was wir auch taten. Es war ein reizvolles Intermezzo auf der langen Autobahnfahrt, fast ein kleines Abenteuer. Und damit eine gute Einstimmung auf den geplanten Einsatz dieses Autos.

 

Saale-Überquerung. Foto: Stephan Bleek

Abenteuerlich war dann auch der Rest der Fahrt. Fast blind durch Dunkelheit und strömenden Regen mit böigem Seitenwind schlingernd, haben wir im dichten Verkehr gelernt, wie windempfindlich so ein kastenförmiges Fahrzeug ist, im Vergleich zu einem kleinen Personenwagen.

 

Der Marktplatz von Greding. Im Haus hinten rechts hat mein Großvater als Apotheker gearbeitet, als er meine Großmutter kennenlernte. Das war vor etwa 120 Jahren. Foto: Stephan Bleek

Erschöpft haben wir dann im Städtchen Greding, der Wiege meiner Vorfahren mütterlicherseits, Station gemacht. Dort gibt es leckere fränkische Bratwürste, eine Spezialität des Ortes, die ich schon als Kind geliebt habe und die wir uns, wann immer es sich ergibt, nicht entgehen lassen.
Die letzten hundert Kilometer verliefen ohne Zwischenfälle, und nach diesem anstrengenden 20-Stunden-Tag konnten wir endlich müde, aber zufrieden ins Bett sinken.

Foto: Stephan Bleek

Seitdem wird das rollende Häuschen liebevoll eingerichtet und mit allen möglichen Annehmlichkeiten versehen. Auch gilt es, das elektronische System durch intensives Studium diverser Handbücher zu ergründen – eine echte Herausforderung! Ich hatte ja vor vielen Jahren schon einen Vorfahren dieses Bulli – wie einfach war es damals, ein solches Auto zu bewegen! Du hast dich reingesetzt und bist gefahren. Heute fordert dich das Cockpit ständig auf, diese oder jene Option zu wählen – wovon, das muss ich zugeben, einige auch recht nützlich sind.

Jetzt freuen wir uns auf die erste Reise, wo wir das neue Gefährt dafür nutzen werden, wofür es gedacht ist – als fahrbares Zuhause.

Was für eine Zahl!

Das Sarntal Richtung Bozen.    Foto: Stephan Bleek

 

Ich finde, die 69 ist eine perfekte Zahl! Rundherum rund. Die Ziffern 6 und 9 schmiegen sich ineinanderander und bilden einen Kreis, ähnlich Yin und Yang, die nach der Überlieferung „schattiger Ort“ und „sonnige Anhöhe“ bedeuten.

Wie passend dazu das Foto aus unserem Kurzurlaub im Sarntal!

Anstatt Kerzen … wie aufmerksam von dem Baum!                            Foto: Stephan Bleek

Dieses vom großen Tourismus unberührte Tal in Südtirol erstreckt sich zwischen Sterzing und Bozen, parallel zum Etschtal.

Wir lieben diesen Platz mit seinen sanften Hängen, hinter denen die spitzige Kulisse der Dolomiten aufragt. Es gibt herrliche Wanderwege, das Wetter ist auch im Herbst noch schön, die Talbewohner ziehen es vor, entspannt ihre Traditionen zu pflegen, anstatt dem großen Geld hinterherzujagen.

 

Alles perfekt, um einen „runden“ 69. Geburtstag gebührend zu feiern.

Wir kennen hier ein kleines, wunderschönes, familiengeführtes Hotel, das wir, seit vielen Jahren schon, immer wieder besuchen, meist im Frühjahr oder Herbst, anlässlich unseres jeweiligen Geburtstags.

Der Whirl-Zuber im Garten von Bad Schörgau. Foto: Stephan Bleek

So sind wir auch diesmal kurz entschlossen hierhergefahren, um ein paar Tage zu wandern, im naturnahen Spa zu entspannen und uns von der Sterneküche des Hauses verwöhnen zu lassen.
Bei traumhaftem Wetter haben wir auf unseren Wanderungen herrliche Fernblicke genossen und wunderschöne Details am Wegrand entdeckt – wie diese bizarren Eisformationen auf einem kleinen Weiher hoch oben am Berg.

Eisblumen zum Geburtstag. Foto: Stephan Bleek

Und abends gab es köstliches Essen, von Egon, dem Schwiegersohn des Hauses und sternedekorierten Chef de Cuisine, apart angerichtet – jeder Gang ein Genuss für Auge und Gaumen.

Ein Gang von vielen: Rote Beete-Ravioli mit delikater Füllung. Foto: Stephan Bleek

Kurz, es war wieder genauso schön wie immer, und ganz sicher war dies nicht unser letzter Besuch an diesem besonderen Ort. Die nummerierten Bäume jedenfalls animieren dazu, noch einige Jährchen dranzubleiben.

Auch die 80 ist eine schön gerundete Zahl. Die möchte ich gern noch erreichen, mindestens. Zunächst aber will ich sehen, dass das neue Lebensjahr genauso rund und perfekt wird wie die Zahl, die an seinem Anfang steht!

Ausblick in die Zukunft. Foto: Stephan Bleek

 

Also bis zum nächsten Mal, liebes Sarntal! Ci vediamo!

Foto: Stephan Bleek

 

 

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Herbst

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

Je älter ich werde, umso mehr liebe ich diese Jahreszeit. Ich fühle mich in ihr heimisch. Vielleicht, weil ich im Herbst geboren bin, vielleicht, weil ich jetzt im Herbst meines Lebens angekommen bin.
Es ist eine Zeit voller Melancholie, voll wehmütiger Gedanken über Versäumtes im vergangenen Jahr, im vergangenen Leben, und an das Ende, das sicher kommt.
Aber noch ist es nicht so weit! Nicht in der Natur, nicht in meinem Leben!

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

 

Die Natur lockt mit üppigem Farbenrausch, warm, lebendig, verschwenderisch. Als wolle sie noch einmal unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bevor sie in Winterstarre versinkt. Ein letztes Aufbäumen vor dem nahenden Ende des Jahreszyklus.

Es hält mich nicht zuhause, ich muss raus. Das Wetter soll umschlagen, nach diesen fast sommerwarmen Tagen der letzten Wochen soll es windig und kalt werden. Der Gedanke an kommende nasse Nebeltage drängt mich, das schöne Wetter noch auszunutzen.

Ich schwinge mich auf mein Fahrrad und radle zum Englischen Garten. Das ist, wie in eine andere Welt einzutauchen. Schon wenige Meter hinter dem Parkeingang mit seinem Gedränge bin ich fast allein. Spaziergänger, Radler und Jogger verlieren sich in verschiedene Richtungen. Und je weiter ich nach Norden komme, umso stiller wird es.

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

 

Und dann plötzlich traue ich meinen Ohren nicht: ich höre Schafe blöken. Kann das sein? Ja, tatsächlich, da, auf einer Wiese, unter den teilweise schon kahlen Bäumen, eine ganze Herde, weiße, ein paar schwarze, und sogar mehrere Lämmer. Es blökt in allen Stimmlagen, das trockene Laub raschelt auf, wenn sie unvermutet losrennen.
Ein idyllisches Bild, fast surreal. Mitten in München, mitten im Englischen Garten!

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

 

Ich fahre weiter, über die Isar zur Emmeramsmühle. Vor dem Biergarten eine große Weide mit schwarzzotteligen Rindern. Auch hier das Gefühl, nicht in einer Millionenstadt, sondern irgendwo auf dem Land zu sein.

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

 

Langsam sinkt die Sonne, es wird kühler. Ich mache mich auf den Rückweg.
Pausiere an einem Weiher, in dessen stillem Wasser sich die Buchen in all ihrer farbigen Pracht spiegeln.

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

 

Ja, der Herbst ist eindeutig meine Lieblingsjahreszeit. Auch wenn er ein Symbol für die Lebensphase ist, an deren Ende unabwendbar der Tod steht. Aber auch wir können in unserem Lebensherbst nochmal zu Höchstform auflaufen, können die letzten warmen Tage unseres Lebens nutzen, bunt und verlockend sein und andere glücklich machen.
Die Natur erwacht nach der winterlichen Ruhephase zu neuem Leben.
Wer weiß, was mit uns geschieht, danach?

 

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

Me too

Der aktuelle Skandal um Harvey Weinstein, die empörten Aufschreie dazu in den Medien, die öffentlichen Berichte von Frauen über sexuelle Gewalt unter dem Hashtag #MeToo haben in mir Erinnerungen wachgerufen, die ich bis heute erfolgreich verdrängt habe. Weil ich mich geschämt habe, weil ich mich schuldig gefühlt habe.
Es war in den 70er Jahren. Ich schrieb an meiner Magisterarbeit. Thema war das Romanwerk eines französischen Schriftstellers, Mitglied der Académie Française, der damals schon weit über 80 Jahre alt war. In Deutschland war er als Romancier kaum bekannt, nur seine gelehrten Werke über europäische Kunst und Literatur waren auf deutsch veröffentlich worden.
Ich hatte ihn kontaktiert und er hatte einem persönlichen Trefffen zugestimmt. Ich reiste nach Paris, suchte ihn in seiner Wohnung auf, lernte ihn und seine Frau, eine Kunsthistorikern Anfang 60, kennen. Er war ein Herr alter Schule, immer noch gutaussehend, groß und schlank, weißhaarig, mit besten Manieren. Ich war tief beeindruckt, fühlte mich geehrt von seiner Bereitschaft, mit mir über sein Werk zu diskutieren. Er lobte meinen Interpretationsansatz, schlug mir vor, seine Romane zu übersetzen, denn ich hätte das richtige Verständnis dafür.
Das gefiel mir natürlich sehr.

Ich verehrte ihn.

Mehrmals im Jahr habe ich ihn aufgesucht. Und bei einem dieser Besuche, seine Frau war ausgegangen, bat er mich unvermittelt, mein Oberteil und meinen BH auszuziehen. Er wolle mich nur ansehen, es sei ihm ein ästethisches Bedürfnis, den Körper einer jungen Frau zu betrachten. Ich war schockiert und zutiefst verwirrt. Was sollte ich tun? Ich stand am Ende meines Studiums und ich fühlte mich abhängig von seinem Wohlwollen. Und ich mochte ihn. Er war ein alter Herr, immer sehr höflich, sehr distinguiert. Aber nun dieses Ansinnen? Es klang eher harmlos. Ich tat, was er wollte.

Als ich vor ihm stand, halbnackt, gegen den schwarzen Flügel in seinem Arbeitszimmer gepresst, sah er mich an. Dann betastete er mit seinen alten, vom beginnenden Parkinson zitternden Händen meine Brüste und versuchte, mich auf den Mund zu küssen. Ich wusste nicht, was ich tun, was ich fühlen sollte. Ich wehrte mich halbherzig.
Die Wohnungstür wurde geöffnet. Ich zog mich schnell an. Er sagte: „Ich danke Ihnen. Sie haben mir eine große Freude bereitet.“
Seine Frau kam ins Zimmer. Ich schämte mich zutiefst. Auch für ihn. Ich fühlte mich als seine Komplizin. Heute bin ich sicher, dass sie etwas gemerkt hat. Jahre später, er war schon lange tot, habe ich sie noch einmal besucht. Sie war sehr distanziert und hat Andeutungen gemacht, aus denen klar wurde, dass sie Bescheid wusste. Entweder er hatte ihr etwas gesagt, oder sie hat es selbst vermutet. Möglicherweise war ich auch nicht der einzige diesbezügliche Fall. Ich könnte es mir jedenfalls vorstellen.
Ich habe niemandem davon  erzählt.

Bei meinen folgenden Besuchen hat er den Vorfall nicht erwähnt. Wir waren auch nie mehr allein.
Ich erinnere mich aber, dass ich vor jeder späteren Begegnung Qualen litt. Was sollte ich tun, falls er wieder übergriffig würde? Ich war zerrissen zwischen Ekel, Abwehr, Wut und, ja, auch naivem Stolz: ich redete mir ein, dieser berühmte Schriftsteller und Gelehrte findet Gefallen an dir. Das schmeichelte mir.
Heute fasse ich mich an den Kopf: ich war jung und hübsch, er war nichts weiter als ein geiler alter Mann, der meine Verehrung schamlos ausgenutzt hat.

Ich habe seine handschriftlichen Briefe alle aufgehoben. In einem hat er sich verschlüsselt noch einmal bedankt für mein „Entgegenkommen“.
Als er dann wenige Jahre später gestorben ist, habe ich eine Art Erleichterung gespürt. Als ob mit seinem Tod auch dieses für mich so beschämende Erlebnis aus der Welt geschafft wäre.
So ist es aber nicht. Die Erinnerung daran belastet mich. Ich hadere mit mir selbst: warum habe ich dieses Spiel mitgespielt? Warum habe ich meine Empörung unterdrückt? Warum habe ich mich selbst so erniedrigt?

Es gibt dafür Erklärungen, aber keine Entschuldigung.
Ich kann jedenfalls nachvollziehen, warum die Frauen, die von Weinstein und Co. missbraucht wurden, niemandem etwas davon sagten. Es ist die Scham.

привет! – Hallo!

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

In der aktuellen Zeit gibt es eine Beilage mit medizinischen Themen, darunter ein Beitrag zu Demenz und Alzheimer. Ich bin bestimmt nicht allein mit meiner sorgenvollen Frage, wie das gelegentliche Vergessen von Namen oder Fakten einzuordnen ist oder wieso ich mich an den Inhalt eines erst kürzlich gesehenen Films nicht erinnere. Liegt das an der Banalität des Films oder sind das erste Anzeichen von nachlassender Geisteskraft?

In dem Beitrag geht es unter anderem um die verschiedenen Möglichkeiten, gegen Alzheimer vorzubeugen. Da werden, neben regelmäßiger Bewegung, was auch den Körper bis ins hohe Alter fit halten soll, zum Beispiel Musizieren, Reisen, Karten spielen oder eine neue Sprache lernen empfohlen. Das klingt ja eigentlich alles recht angenehm, und ich habe erfreut festgestellt, dass ich mindestens zwei solcher heilsamen Tätigkeiten schon seit längerer Zeit mit großem Vergnügen ausübe.

Erstens: Komplizierte Kreuzworträtsel lösen

Kommt in dem Beitrag nicht vor, ist aber bestimmt auch hilfreich. Ich erinnere mich gut an meine Großmutter, die es im hohen Alter liebte, Patiencen zu legen und Kreuzworträtsel zu lösen. Oft hab ich ihr dabei zugesehen, und sie hat mich dann gelobt, wenn ich eine passende Spielkarte oder ein richtiges Wort für sie gefunden habe. Ob sie ihre geistige Beweglichkeit diesen beiden Beschäftigungen verdankte, kann ich nicht beurteilen, aber ich weiß noch, wie zufrieden sie war, wenn wieder mal eine Patience „aufging“ und wie stolz sie war, wenn sie ein Rätsel gelöst hatte.

Fürs Patiencenlegen fehlen mir Geduld und Zeit, aber vielleicht trägt die positive Erinnerung an die Stunden mit meiner Oma dazu bei, dass ich mich abends gern mal hinsetze und mir zur Entspannung eins von diesen Rätseln vornehme, bei denen man erst das Gedankenlabyrinth des Autors nachvollziehen und seine falschen Fährten durchschauen muss, bevor man das Rätsel knacken kann. Das Erfolgserlebnis ist angehm und kommt zuverlässig, und wenn noch ein paar trainierte Hirnzellen dabei herausspringen, umso besser.

Zweitens: neue Sprachen lernen

Als mein Vater sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hatte, begann er, Spanisch zu lernen. Damals machte man das noch mit Schallplatten. Jeden Tag legte er sie auf, und man sah und hörte ihn im Zimmer hin- und herlaufen und die vorgesprochenen Wörter und Sätze wiederholen. Bald hatte er genug Kenntisse, um sich recht gut auf Spanisch zu verständigen, was er bei jeder Gelegenheit stolz vorführte. Mein Vater  hatte einen guten Grund, gerade diese Sprache zu lernen: damals hatten meine Eltern ein Ferienhaus an der Costa Brava erstanden, wo sie einen Großteil ihres Rentnerdaseins verbringen wollten. Leider ist mein Vater bereits mit 72 Jahren gestorben, kurz nach meiner Mutter. Zu früh, um die Früchte seines späten Lerneifers noch lange zu genießen.

Doch er war ein gutes Vorbild für mich, weil er mir zeigte, dass es auch für das Lernen einer neuen Sprache nie zu spät ist. Meine Sprachwahl hat allerdings keinen so offensichtlichen Grund wie seine damals. Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, Russisch zu lernen, und zwar nur, weil mir der Klang dieser Sprache gefällt. In unserer Firma gab es zwei russische Mitarbeiterinnen. Die eine kam aus Nowosibirsk, die andere aus Kasachstan. Wenn beide miteinander russisch sprachen, habe ich immer fasziniert gelauscht. Und irgendwann hab ich beschlossen, mich näher mit dieser Sprache zu befassen.

Heute legt man keine Schallplatten von Langenscheidt mehr auf, heute ist das Mittel der Wahl fürs Sprachenlernen ein Online-Kurs. Das ist spielerisch, interaktiv, visuell und macht damit richtig Spaß. Ich habe mich für den Anbieter Babbel entschieden und ich finde es ganz super, damit zu arbeiten! Anfangs war ich noch recht fleißig dabei, doch ich muss gestehen, sehr konsequent habe ich es dann nicht durchgezogen, solange ich in unserem Unternehmen noch sehr eingespannt und abends zu erschöpft zum Lernen war. Aber jetzt – auch das ist wieder ein positiver Nebeneffekt der freien Zeiteinteilung – komme ich regelmäßig(er) zum Lernen und habe endlich das Gefühl, wirklich Fortschritte zu machen.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, einmal die große russische Literatur, die ich schon als junges Mädchen begeistert verschlungen habe, im Original lesen zu können. Haha, das ist ein Scherz! Ich fürchte, dafür reicht meine restliche Lebenszeit nicht wirklich.
Egal! Das Russischlernen macht mir großen Spaß. Und wie ein tschechisches Sprichwort sagt:

Du hast so viele Leben, wie Du Sprachen sprichst.

Wenn das nicht eine gute Motivation ist!?

In diesem Sinne: Пока! до скорого – Tschüss! Bis bald!

Foto: ulrike@eigenleben.jetzt

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Mit 80 die Welt umsegeln – allein!

Eigentlich wollte er Mitte November zu seiner Solo-Nonstop-Weltumseglung starten, aber die schweren Wirbelstürme über der Karibik vor ein paar Wochen werden den Start wohl verzögern. Nichts aber scheint den 80-jährigen Stanley Paris von seinem Vorhaben abbringen zu können. Er möchte den Weltrekord von 1986 brechen und allein von Bermuda nach Bermuda segeln, und zwar in weniger als 150 Tagen. Schon zweimal hat er es versucht – damals war er bereits Mitte 70 – , jedesmal haben ihm Materialschäden seines Bootes einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt hat er ein neues Boot und jetzt will er es wirklich wissen!
Der Mann scheint durchtrainierter als mancher Jungspund. Erst vor einem Jahr ist er 3000 km von Kalifornien nach Florida geradelt. Davor ist er mit einem VW Käfer von England nach Indien und mit dem Motorrad von Alaska nach Florida gefahren. Und jetzt will er also ohne Stopp allein um die Welt segeln. Wenn sein Boot diesmal mitspielt, könnte er es schaffen. Wieder eins von diesen krassen Beispielen, was ein (alter) Mensch erreichen kann, wenn er nur will.

Wir sind noch keine 80 und wir wollen auch nicht die Welt umrunden. Aber auch wir wollen im November starten, was ein größeres Projekt werden soll: mit einem Campingbus, der hauptsächlich als Stützpunkt bei Recherche- und Drehreisen eingesetzt werden soll, wollen wir ein bisschen durch die Welt reisen.

Den Anfang macht Frankreich. Eher eine Arbeitsreise, aber auch eine Gelegenheit, eine liebe Freundin aus Paris in ihrem Ferienhaus in den Hautes Alpes zu besuchen. Wir kennen uns, seit wir 14 sind. Im Laufe unseres Lebens haben wir uns immer mal wieder getroffen, vor allem, nachdem die Kinder erwachsen waren und wir wieder mehr Zeit für uns hatten. Ich freue mich, dich wiederzusehen, Marie!

Nächstes Jahr wollen wir in den Norden und Osten Europas reisen. So zum Beispiel nach Polen. Ich möchte Danzig sehen, das mit unserer Familiengeschichte so eng verbunden ist. Und die Masurischen Seen, an denen mein Vater aufgewachsen ist und von denen er uns so viele Geschichten erzählt hat, als wir klein waren. Schon seit Jahren habe ich mir vorgenommen, diesen väterlichen Wurzeln meiner Familie nachzuspüren. Und ich freue mich, wenn das jetzt Wirklichkeit werden kann – auch eine Folge der wiedergewonnen Freiheit durch die Freiberuflichkeit. Ich werde berichten!

Ich kenne das Reisen mit einem Camper. Vor vielen Jahren, als die Kinder noch klein waren, hatten wir schon mal so ein Auto. Und einmal haben wir einen Sommer lang Italien von Nord nach Süd durchquert, immer im Zickzack, vom Mittelmeer zur Adria und zurück, bis nach Apulien. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Reise. Vor allem auch an das Gefühl, wie eine Schnecke oder ein Krebs sein Häuschen immer dabei zu haben. Es vermittelt Geborgenheit und Heimat, wo immer man ist.

Jetzt, über 40 Jahre später, frage ich mich manchmal, ob wir für solche „Abenteuer“ nicht zu alt sind? Wenn ich aber dann Berichte lese wie den über den 80-jährigen Weltumsegler, schäme ich mich ein bisschen …